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Johann E. Partisch - Mäzen und Hochstapler

1879 - Johann E. Partisch zwischen seinen Schülerinnen an der Schule in Drochtersen.



Johann E. Partisch - Mäzen und Hochstapler

JOHANN EVANGELISTA PARTISCH wurde am 7. September 1860 in Wien geboren. Nach einem Misserfolg im Wiener Knabenseminar verließ Partisch im Alter von 15 Jahren seine Heimat und kam über München und Leipzig nach Berlin wo er theologische und philosophische Vorlesungen besuchte. Dabei eignete er sich eine respektable Bildung an. Über verschiedene Hauslehrerstellen kam er 1879 nach Drochtersen bei Stade und 1880 nach Bremervörde, wo er bis 1882 an der Bürgerschule als Rektor und Nachmittagsprediger angestellt war. Für den Zugang zu diesen Stellen hätten die persönlichen Empfehlungen nicht ausgereicht. Er fälschte seine Zeugnisse. Um seine katholische Herkunft zu verbergen änderte er seine Vornamen in HANS HUBERTUS. Um nicht zu jung zu erscheinen machte er sich sechs Jahre älter und gab den 27. 12. 1854 als Geburtsdatum an.

Danach bewarb er sich um die 4. Pfarrstelle an der Oldenburger Lamberti-Kirche und reichte seine gefälschten Zeugnisse ein. Seinen Doktortitel begründete er mit der lateinischen Dissertation über Homers Ilias. Die guten
(gefälschten) Zeugnisse verfehlten ihren Eindruck in Oldenburg nicht.
Dr. Hans Hubertus Partisch
(wie jetzt in Oldenburg hieß) wurde m 19. November 1882 in der Lamberti Kirche durch den Oberkirchenrat Chr. Hansen ordiniert und in die 4. Pfarrstelle eingeführt.
Am 1. August 1885 rückte er auf die 3. Pfarrstelle nach.



 

JOHANN EVANGELISTA PARTISCH
* 7. September 1860 in Wien
+ 7. September 1928 in Chemnitz

Er fälschte seine Unterlagen und Zeugnisse und nannte sich in Oldenburg
HANS HUBERTUS PARTISCH

Am 19. November 1882 trat er eine Pfarrstelle in der Lamberti-Kirche an.



Er war Mitbegründer des Gertrudenheims. Auch die Gründung des Diakonissenhauses Elisabethstift geht auf die Initiative Partischs zurück.
 


1905 - Das Gertrudenheim, damals noch Idioten-Anstalt genannt.



PARTISCH UND DAS GERTRUDENHEIM

Im Jahr 1880 ergab eine Volkszählung das im Großherzogtum Oldenburg 266 Menschen mit geistiger Behinderung lebten. Staatlicherseits wurde nichts unternommen um diesen jungen Menschen zu helfen und sie schulisch zu fördern. Das Problem wurde von Pastor Dr. Hans Hubertus Partisch aufgegriffen. Zusammen mit weiteren bekannten Persönlichkeiten gründete er am 5. Mai 1887 die heutige Stiftung Gertrudenheim. Am 1. Juni 1887 begann bereits die Arbeit am Hochheiderweg mit 20 behinderten Mädchen, die von zwei Schwestern aus Ludwigslust betreut wurden. Die Räumlichkeiten reichten nicht aus. Durch die Großzügigkeit von Dr. Johann Conrad Diedrich Klävemann kam es schnell zu einer Lösung. Er schenkte der Stiftung 1888 das Grundstück, auf dem das Gertrudenheim noch heute steht. Bereits am 3. Juli 1889 konnte ein Neubau mit 60 Betreuungsplätzen eingeweiht werden. Jetzt wurden nicht nur Mädchen sondern auch Jungen im Gertrudenheim aufgenommen.



2010 - Das "Haus am Brunnen" wie das Gertrudenheim heute heisst.



1900 - Das Diakonissenhaus Marienstraße Ecke Steinweg (das Haus mit den Säulen).



PARTISCH UND DAS DIAKONISSENHAUS ELISABETHSTIFT

Am 11. November 1888 hielt Pastor Hubert Partisch in der Lambertikirche einen Vortrag über den "Frauendienst in der evangelischen Kirche" und begründete warum er die Gründung einer Diakonissenanstalt in Oldenburg für notwendig hielt. Partisch begann mit der Verwirklichung des Diakonissenhauses im Oktober 1888 im Haus Gartenstraße 2. Dort sollten ältere, kränkliche Damen Pflege und Versorgung finden und gleichzeitig als Diakonissenmutterhaus dienen.
1890 zog die Diakonissenanstalt in das neue Haus Marienstraße (Ecke Steinweg) das Partisch mit seinem privaten Geld gekauft hatte. Mit seiner Initiative verärgerte er jene, die an der bewährten Zusammenarbeit mit dem Diakonissenhaus in Ludwigslust festhalten wollten. Ihm wurde jegliche finanzielle Unterstützung vom Staat und der Kirche versagt. Auch der Versuch das Diakonissenhaus organisatorisch, mit dem gleichzeitig gegründeten Evangelischen Krankenhaus zu verbinden, scheiterte. Das Diakonissenhaus geriet in eine schwierige finanzielle Lage. Obwohl Partisch die gesamte Mitgift seiner Frau (8000 Mark) in die Anstalt steckte blieben die Schwierigkeiten bestehen. Mit der Gründung des Diakonissenhaus-Vereins sollte das Haus auf eine solidere Grundlage gestellt werden. Allerdings scheint Partisch nicht alle Verbindlichkeiten offengelegt zu haben. Um einen fälligen Wechsel nicht platzen zu lassen unterschlug er eine Spende. Nachdem dies bekannt wurde war Partischs Ansehen zerstört. Er wurde gezwungen sein Entlassungsgesuch einzureichen und schied am 11. Juni 1894 aus dem oldenburgischen Kirchendienst aus.



1900 - Seitenansich des Hauses Marienstraße Ecke Steinweg.



Ende 1894 nahm sich die Staatsanwaltschaft der Sache an. Partisch hatte sich bereits ins Ausland zurückgezogen, wurde aber in Venedig aufgegriffen. Er wurde am 24. April 1895 der Unterschlagung von 2000 Mark für schuldig befunden und zu 3 Jahren Gefängnis verurteilt.
Für das Unbefugte tragen des Doktortitels erhielt er zusätzlich 6 Wochen Haft. Über den Prozess gegen Partisch wurde 1895 in der Presse breit berichtet. Dabei fällt auf mit welchem Eifer sich die Berichterstatter in moralischer Entrüstung übten und mit Hohn und Spott nicht sparten.

Eine Ausnahme bildet die Berichterstattung der "Nachrichten für Stadt und Land" vom 24. und 25. April 1895. Dort wird berichtet von der Tragik eines Mannes, der in der Stadt Oldenburg das Pfarramt mit überdurchschnittlichen Einsatz geführt und mit der Gründung der beiden Anstalten viel für Oldenburg geleistet hat. Ohne ihn wäre kein Gertrudenheim und kein Elisabethstift entstanden.


Nach Verbüßung seiner Strafe hört man nichts mehr von ihm. Die letzte Nachricht:
Der Handelslehrer HANS HUBERTUS PARTISCH ist am 7. September 1928 in Chemnitz gestorben.



1900 - Das 1897 neu gebaute Diakonissenhaus am Philosophenweg.